Die Regisseure über ihren Film
Als das Album "Très très fort" im März 2009 erschien, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Eine Gruppe von Musikern aus vier Gelähmten und drei unbehinderten Männern, die auf den Straßen von Kinshasa leben, hatten mit selbstgemachten Instrumenten einzigartige Musik geschaffen. Reporter kamen von überall her, um sich das anzusehen und die Band zu interviewen. Was sie sahen und hörten setzte sie in Erstaunen und der Buzz verstärkte sich. Eine Konzerttournee durch Europa im Jahr 2009 bekräftigte dann die Legende von STAFF BENDA BILILI.
Die Geschichte begann 2004 auf den verwüsteten Straßen von Kinshasa. Der Sänger und Gitarrist Coco Yakala, der auf seinem Dreirad thronte, gab den Ton an: "Eines Tages werden wir die berühmtesten Behinderten in ganz Afrika sein!" Fünf Jahre später sang derselbe Coco über seine Gitarre gebeugt "Es ist nie zu spät im Leben ..." vor dem erstaunten Publikum eines angesehenen französischen Musikfestivals. Das Wunder war vollbracht – Ausgestoßene hatten die Hand des Schicksals bezwungen.
Die Ursprünge einer Legende verbergen immer eine Schattenseite. Unser Glück als Regisseure war es, das chaotische Epos einer Straßenband von innen heraus filmen zu können, die ihren Traum in einer schwerverwundeten Stadt Afrikas verfolgten. Wir malen mit impressionistischem Strich Porträts dieser außergewöhnlichen Musiker, die unter unvorstellbaren Bedingungen kämpfen. Ricky, Coco, Roger und Théo sind wahre "Naturgewalten", die ein Wille so hart wie Stahl geformt hat. Dieser wahnwitzige Wille, es zu schaffen, die Weigerung aufzugeben, sollten es der Gruppe möglich machen, an ihrem Ziel festzuhalten und vereint zu bleiben inmitten eines unbeschreiblichen städtischen Chaos. Die Erzählung kreist zugleich um das enge Verhältnis, das den Anführer Ricky mit einem Straßenjungen verbindet, einem wirklichen Musikgenie, das er aufnimmt und ihm beibringt, wie man auf der Bühne spielt.
Die Straße ist die darwinistische Welt von STAFF BENDA BILILI. Hier arbeiten sie, schlafen, essen, ziehen ihre Kinder auf, schaffen ihre Lieder und üben die ganze Nacht vor im Stich gelassenen Kindern, für die sie "Papas" ehrenhalber geworden sind. Das ist der Herzschlag des Films. Die Sänger mit ihren angegriffenen Samtstimmen sind nicht von dieser Umwelt zu trennen, und auch nicht von der Lage in Kongo. Ihr Kampf, ihre verrückte Hoffnung, ist die eines ganzen Volkes, das mit ihnen auf Kartons schläft: Straßenkinder, Diebe mit großem Herzen, Ein-Dollar-Nutten, Kriegsflüchtlinge, die Krüppel, die um ihr täglich Brot betteln müssen ... Eine vergessene Menschheit, die dennoch von Kraft und Humor erfüllt ist und für welche die Musik von STAFF BENDA BILILI ein wunderbarer, lindernder Balsam ist.
BENDA BILILI! ist kein Musikfilm. Es ist ein Film über marginalisierte Ausgestoßene, die sich dem System widersetzen, das sie als solche definiert. Die Lieder ergänzen die Erzählung. Jede Schwierigkeit, der STAFF BENDA BILILI begegnet, führt zu einem Song, den sie sofort an Leuten von der Straße testen können. Der Film spielt an exemplarischen Orten. Dem Sonas-Kreisverkehr im Zentrum Kinshasas. Ein wahrer "Hof der Wunder" wie eine Warze im Herzen des Finanzzentrums. Hier ist das Hauptquartier von STAFF BENDA BILILI, hier steht der Laden von Ricky, dem Bandleader. Der Bürgersteig ist der Treffpunkt von Schicksalsschlägen. Das Parlament der Hungernden und Sterbenden. Der Zoo von Kinshasa, ein Garten in der Stadtbrache, übersät von vergammelten Käfigen, die von ausgemergelten Tieren bevölkert werden. Eine Welt für sich. Sie wird bevölkert von Shégués (Straßenkindern), von Soldaten-Dealern, Banditen und Betrügern aller Art. In dieser ohrenbetäubenden und erstickenden Stadt ist es der einzige verhältnismäßig ruhige Ort. Ein Ort des Waffenstillstands, der wie ein Beruhigungsmittel auf die gewalttätigeren Aspekte dieser Stadt wirkt und für die Kongolesen ein verlorenes Paradies heraufbeschwört. STAFF BENDA BILILI hat hier geprobt und sogar Teile des Albums aufgenommen.
Man sieht auch die Straßen, Orte des Übergangs, des Umherwanderns von STAFF BENDA BILILI. Eine gefährliche, ständig in Bewegung befindliche Welt voller Fallgruben. Visuell der perfekte Ausdruck der Korruption der Eliten. Abgrundtiefe Löcher mitten in der Straße, Seen von fauligem Wasser, Gräben, die monströse Staus verursachen. Die ruhige Entschlossenheit unserer Helden und das hypnotische Klicken ihrer Dreiräder heben sich vom Lärm der überfüllten Megacity ab, die nicht weiß, wohin es gehen soll. Mit dem wachsenden Erfolg des Orchesters erwacht das Straßenvolk und schöpft Hoffnung. Sie werden zu anerkannten Sprechern der Entrechteten.
Von den schäbigen Trottoirs Kinshasas in die angesagten Clubs von Kopenhagen: Die humpelnde Odyssee von BENDA BILILI wirft unsere Vorstellungen von Behinderung und Elend über den Haufen und stellt uns vor die Frage, über welche Stärken wir selber verfügen.
Renaud Barret und Florent de la Tullaye
Tweet